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Berlin, 13. Dezember 2007 / Klaus Amann / Galerie Weishaupt / blog
KONZEPTKUNST
Jenny Holzer
»DENKMAL GALERIE NORDHORN«
Ich hoffe, daß es da sehr wenig Übereinstimmungen gibt. Ich bin mir dessen bewußt, wie schwierig es ist, auszudrücken, was man meint, und wie leicht Sprache mißbraucht oder mißverstanden werden kann. Dies ist einer der Gründe, warum ich in diesem Projekt verstärkt nonverbale Kommunikationsmittel eingesetzt habe, etwa das Gefühl, das einen überfällt, wenn man einen dunklen Garten betritt. Aus eben jenen Gründen, die Sie angesprochen haben, möchte ich nicht, daß aus meiner Arbeit ein Propagandainstrument wird.
Es gibt einerseits die Art, wie man als Normalbürger Informationen über den Krieg bekommt...
Fehlinformationen!
Ja, genau, diese offiziellen Fehlinformationen von 1914 und andererseits die Möglichkeit, daß man nun im Schwarzen Garten - ich möchte nicht sagen, die richtige Fassung - aber doch eine andere Auffassung darüber nachlesen kann, was ein Krieg ist und was im Krieg geschieht. Das ist sehr interessant.
Man kann es getrost mit einfachen Worten sagen: Meine Arbeit ist nicht heroisch.
Das ist ganz deutlich. Wichtig sind aber auch die Informationen und wie Informationen durch Worte und Sprache verbreitet werden. Der Schwarze Garten ist ja mit anderen Anti-Kriegs-Denkmälern verglichen worden, wie etwa mit dem „Tragbaren Kriegsdenkmal" von Edward Kienholz, oder mit Hans Haackes Arbeit 1988 für Graz. Fühlen Sie, daß Sie mit diesen Arbeiten in einer bestimmten künstlerischen Tradition stehen?
Es ist mir ganz peinlich, aber ich kenne die beiden Beispiele nicht einmal. Ich weiß, daß es sie gibt, aber ich kenne sie nicht richtig. Ich weiß, daß ich mich mit Haackes Arbeiten identifizieren kann. Ich mag auch sehr, was Kienholz macht. Aber als ich den Schwarzen Garten ausführte oder über das Thema selbst nachdachte, da habe ich an keine bestimmte künstlerische Tradition gedacht. Ich habe mich auf den Anfang konzentriert. Dabei beziehe ich mich nicht auf die Welt der Kunst, sondern auf die Welt im allgemeinen und auf den Krieg im besonderen, oder auf Propaganda, oder auf Gärten.
Gibt es einen bestimmten Parcours durch den Garten, dem die Besucherfolgen sollten, auch was die Texte auf den Bänken angeht?
Nein, man kann überall anfangen, obwohl die Wege so angelegt sind, daß man ins Zentrum gelangt, wo der schwarze Apfel ist. Man kann den Garten von verschiedenen Punkten her betreten. Man kann erst zu der Stell-le gehen, wo sich früher die ewige Flamme befunden hat, oder man kann zu dem schwarzen Apfelbaum gehen. Irgendwann kommt man dann an einen der beiden zentralen Orte, das alte Denkmal oder den Apfelbaum.
Wollen Sie, daß Leute auf den Bänken sitzen?
Wenn sie es möchten. Die Bänke sind dazu da, auf ihnen zu sitzen oder sie zu lesen.
Hat dieser Garten für Sie Modellcharakter und haben Sie dieses Modell in Ihrem Projekt verarbeitet? Ein Modell für eine bestimmte Art zu denken oder ein Modell für bezwungene Natur in metaphorischer Sicht oder ein Denkmodell dafür, wie man ein bestimmtes Thema angeht...
Der Garten war ein Ausgangspunkt für mich, eine irgendwie neue Art des Handelns. Deshalb habe ich nicht aufgehört, über ihn nachzudenken. Es hat mir sehr gefallen, daß der nonverbale Teil so viel von der Bedeutung trägt. Wie Sie wissen, verlasse ich mich sonst auf den Text, um Bedeutung zu vermitteln. Der Garten war für mich ein Lern- und Erfahrungsort. Seitdem ich damit fertig bin, versuche ich herauszufinden, was er bedeutet, was an ihm gelungen ist und was nicht.
Die Art und Weise, in der man sich durch den Garten bewegt, kann modellhaft sein für die Art und Weise, in der man das Thema „ Krieg " behandelt, oder was man darüber denkt...
Es ist nicht falsch zu sagen, daß man den Schwarzen Garten von beliebig vielen Orten aus betreten kann, und daß diese Orte beliebig viele Überzeugungen repräsentieren können. Aber man endet doch immer am selben Ort. Und das ist hoffentlich ein Ort, an dem man sich den grausamen Folgen des Krieges bewußt wird. Was auch noch mit der Frage des Modellhaften zu tun hat: Ich fand es wichtig, daß man dieses Denkmal immer weiter pflegen und warten muß, daß ich immer weiter an ihm arbeiten werde, genau wie die Stadt. Man muß dafür Sorge tragen.
Mehr zum Künstler Jenny Holzer, Biografie und aktuelle Ausstellungen im Kunst Kultur Forum.
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