Ralph Ueltzhoeffer  - Weishaupt Contemporary
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Ralph Ueltzhoeffer (2009)  
Ralph Ueltzhoeffer * 1966 Mannheim, 1996-2002 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Andreas Slominski und Ernst Caramelle. Diverse Ausstellungen u.A. Ann Anderson, Stockholm "Textportrait Manchester - David Beckham", Chelsea Artgalleries, New York "Textportrait Missing", Cabinet Gallery, London - Simulation von Raum und Architektur. Ralph Ueltzhoeffer arbeitet mit Farb und sw-Fotografie, Hologramme-Lichtobjekte die sich für jeden Raum individuell neu erschaffen.

Weishaupt Contemporary. Anne Frieder
     
 
 
     
RALPH UELTZHÖFFER, Monika Sprüth Galerie  
Ralph Ueltzhoeffer 2004 Lichtkunst, Hologramm

Was siehst du und was tatsächlich erscheint vor deinem Auge? Was siehst du aus der Ferne, was aus der Nähe? Raum auf der Suche nach dem Event, der Event auf der Suche nach dem Raum.

Die Geschichte erzählt die vergebliche Suche der Bienen nach Nektar an Sonnenblumen die sich selbst bestäuben. Irritation, Simulation, die Geschichte hält Einzug in vielerlei Räume, ungeachtet ihrer tatsächlichen Existenz. Gewollt oder ungewollt. Ich kann die Geschichte fühlen, bin mittendrin. Der Raum ist untrennbar und zwingend mit dem Objekt, also mit der Geschichte verknüpft.

Keine Mahnung, kein Politikum. Aber was will der Künstler uns damit sagen? Vielleicht ist es einzig und allein der Versuch, eine Geschichte zu erzählen, wo wir doch alle gerne Geschichten hören.

nn. Marius Webstein
     
 
 
 

Ralph Ueltzhoeffer

»GESPRÄCH MIT THOMAS A. WENZ 2006 (AUSZUG)«

Während seiner Ausbildung befasst sich Ralph Ueltzhoeffer primär mit Fotografie. Geht man davon aus, dass entscheidende Parameter des fotografischen Verfahrens Ausschnittswahl, Belichtung und Zeitfixierung sind, kann von der Geburt seiner künstlerischen Arbeit aus dem Geist der Fotografie gesprochen werden.

Ralph Ueltzhoeffer * 1966 in Mannheim, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Andreas Slominski und Ernst Caramelle. Während seines Studiums, das Ueltzhoeffer gerne als Test und Probephase bezeichnet, ist ihm trotz allem eine für ihn entscheidende Ausstellung gelungen. 2001 inszeniert Ueltzhöffer gemeinsam mit einem Studienkollegen Jens Rühl im Ausstellungsraum Orgelfabrik Karlsruhe-Durlach die Ausstellung mit dem Titel " Die Geschichte von der hungernden Bienen auf der blühenden Blume" - eine Raum-, Licht-, Klanginstallation. Eine Unzahl ausgetrockneter Sonnenblumen, im Sommer geschnittene F1 Hybriden (selbstbestäubend) hängen an dünnen Nylonfäden von der Decke herab und füllen den Raum der Orgelfabrik. An dieser Stelle muss sich eine Klammer öffen und näher auf die Geschichte und den Ursprung der Arbeit eingegangen werden.

T. A. Wenz: Wie sind Sie zu der Arbeit bzw. zu dieser doch ausgefallenen Geschichte gekommen?
Ueltzhoeffer: Reiner Zufall, ich war spazieren und bin an einem Sonnenblumenfeld vorbeigekommen, an dem sich zwei Männer lautstark unterhielten. Der eine war der Bauer, dem das Sonnenblumenfeld gehört hat und der andere ein Imker, der seine Bienen an dem Feld stehen hatte. Aus der Unterhaltung ging hervor, dass die Bienen des Imkers trotz der blühenden Pracht vor Hunger verendet waren und der Bauer sich keinen Reim darauf machen konnte. Später stellte sich heraus, dass es sich um Sonnenblumen der Gattung F1 Hybriden handelte, also selbstbestäubende. Die Bienen hatten keine Chance! Die Geschichte ging mir nicht mehr aus dem Kopf, es war einfach irgendwie tragisch.

T.A. Wenz: Handelt es sich bei dieser Geschichte nicht eher um ein Politikum?
Ueltzhoeffer: Ich denke es handelt sich eher um ein paradoxes Verhaltensmuster. Sonnenblumen,
die man in die Unabhängigkeit entlässt, Bienen, die man ins Exil schickt und Menschen die sich
die Sonnenblumenmargerine auf's Brot steichen aber denen der Honig fehlt. Vielleicht Verhaltenspolitik.

T.A. Wenz: Wie wichtig ist die Geschichte für Ihre Arbeit?
Ueltzhoeffer: Das interresante an dieser Geschichte ist für mich, die Täuschung der Bienen und deren Ausdauer bis zur totalen Ermüdung, ja bis hin zu ihrem Tod weiter zu suchen, weiter zu funktionieren. Die Geschichte ist eigentlich nur die Vorlage, das Tor muss jeder selbst schießen.
Unser ganzes Leben besteht aus Geschichten, die einen sind wahr, die meisten erfunden, die einen glaubt man und die anderen will man glauben.
Geschichten, jeden Morgen wenn ich Radio höre, höre ich Geschichten. Sind sie mal auf die Idee
gekommen, das mal alles was man so an einem Tag hört genau nachzuprüfen?
Und das was ich sehe? Ich bin der Auffassung, dass die Kunst vielerlei Räume bietet, man muss sie nur öffnen und bespielen.

T.A. Wenz: Räume, das Stichwört um die Klammer zu schliessen und zu der Ausstellung in der Orgelfabrik Karlsruhe-Durlach 2001 zurückzukehren.
In der Mitte der hängenden Sonnenblumen befindet sich an Stahlseilen ein Metallkubus, in dessen Mitte ein ca. 40cm x 40cm x 40cm Acrylglasbehälter hängt, aufgefüllt mit toten Bienen.
Nichts wurde an dieser Ausstellung dem Zufall überlassen. Das Licht, die Lichtarchitektur im
Zusammenspiel mit einer ausgetüfteteln Klangarchitektur, der Raum, beschallt in quattro - das
Summen der Bienen überall, mal dezent, mal bedrohlich einfach, alles in allem eine sehr homogene
Inszenierung, wo der Mut, neue Räume zu öffnen, sich so auf jeden Fall auszahlt.

T.A. Wenz: Raum, Licht und Klang und der richtige Moment, etwas fotografisch einzufangen, war
damals schon richtungsweisend. Wieso solch vielerlei Abweichungen in die Malerei und in völlig
andere Kunstrichtungen?

Ueltzhoeffer: Genau das hat mein Professor an der Akademie (Ernst Caramelle) auf die Palme gebracht. Ich vertrete die Ansicht, dass man während seines Studiums Grenzen erkunden sollte. Es gab Leute auf der Akademie, die sich zu einem Prof-Klon entwickelt bzw. zurückentwickelt haben.
Ohne irgendjemand nahe treten zu wollen, kurz gesagt: Wer sich anpassen konnte, hatte es viel
leichter. Ich frage mich, ist die Kunst dazu da, es sich leicht und einfach zu machen?
Ausserdem gibt es Arbeiten, die - und da gebe ich meinem Professor (Ernst Caramelle) recht - brauchen Zeit zu reifen. Alle Ausflüge, die ich in die unterschiedlichsten Räume unternommen habe, waren von großem Wert für mich, denn so offen wie während seines Studiums wird man
später nicht mehr kritisiert.

T.A. Wenz: Wurde Farbe und Pinsel nun endgültig gegen einen Computer eingetauscht?
Ueltzhoeffer: Nein im Gegenteil. Einen grossen Teil meiner Arbeit verbringe ich immer noch mit der Malerei. Es gibt auch keine örtliche Trennung, in meinem Athelier findet alles zusammen.
Das Entmaterialisieren - die Reduktion - funktioniert nur, wenn vorher Material vorhanden war.

T.A. Wenz: Nun wären wir bei Ihrer aktuellen Arbeit, Raum-Licht-Installationen, Hologrammen.
Handelt es sich ausschliesslich bei dieser Arbeit um die Erkenntnis, dass es keinen "absolutely
white cube" gibt und geben wird?

Ueltzhoeffer: Die Erkenntnis, dass es einen ganz unbelasteten Raum gibt, einen"absolutely white cube" kann ich für meine Person ausschliessen, das bedeutet, dass es sich immer um Rauminstallationen - also Ausstellungen in Räumen, die zwar eigens mit dem Versuch einen Raum so unbelastet wie möglich zu schaffen, handelt.
Der Raum und das Objekt sind eng miteinander verknüpft, nichts neues und für manchen vielleicht
doch neu. Jedes Objekt wirkt in jedem Raum zu jeder Tageszeit völlig anders. Ich habe mich
gefragt, was nun eigentlich an einer Ausstellung definitiv ist. Vielleicht der Künstler? Vielleicht der
Raum? Vielleicht das Objekt?

Ein Gespräch von Thomas A. Wenz mit Ralph Ueltzhoeffer Jan. 2006 (Auszug) nnt:337-pnp artnet Quelle

 
 
 
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